Ramón Valle (geboren 1964) war erst sieben Jahre alt, als er im kubanischen Holgún seine ersten Klavierstunden nahm. Entdeckt wurde er 1985 bei einem gemeinsamen Konzert mit dem inzwischen verstorbenen Pianisten Emiliano Salvador. Valle trat als Solo-Künstler sowie mit dem Jazzquartett Brújula auf zahlreichen Festivals (Mexico DF, Bogotá, Havana Jazz Festival) auf und machte sich in der kubanischen und lateinamerikanischen Jazzszene schnell einen Namen. 1991 bat ihn Silvio Rodriguez bei seiner Band Diákara einzusteigen, in der Valle zwei Jahre lang blieb.„Das größte Talent unter unseren jungen Pianisten" - mit diesen Worten stellte der Musiker und Irakere-Gründer Chucho Valdés das Debütalbum von Ramón Valle, „Levitando" (1993), vor. Auf seiner ersten CD zeigt Valle, dass er ein Pianist mit eigenem Sound ist. Zwar sind die klassischen Einflüsse, vor allem vom Dreigestirn Jarrett-Corea-Hancock, zu hören, doch das Bemerkenswerte an Valle ist, dass er es versteht, diese Einflüsse in einen eigenen und einzigartigem Stil zusammenfließen zu lassen.
Valle ist kein Pianist, der Latin Jazz oder kubanischen Jazz spielt. Vielmehr ist er ein kubanischer Jazzpianist. Er spielt reinen, zeitgenössischen Jazz. Seine kubanischen Wurzeln sind deutlich zu hören, doch bilden sie nie die Basis seiner Stücke. „Ich bin ein kubanischer Musiker, der in die Kategorie ,Jazz' fällt, aber meine Musik berührt auch viele andere Genres. Manchmal fühle ich mich wie ein Troubadour, weil ich Geschichten erzähle, ohne Worte zu benutzen", sagt Valle. Der Kubaner verzaubert das Publikum regelrecht mit seinem Charisma und seiner authentischen Ausdrucksweise. Die Beziehung zu seinem Klavier ist nahezu eine komplett körperliche, und seine Geschichten, die er mit der Musik erzählt, ergreifen die Zuhörer vom ersten Augenblick an.

